Unser Zucker:
Zucker - auch Saccharose genannt - ist ein wertvolles Genußmittel ohne
jeden störenden Nebengeschmack, vollendet und rundet die Speisen
geschmacklich ab und kann verborgene Duft- und Aromastoffe wecken. Dies gilt zum
Beispiel für Kakao oder gemahlenen Zimt; ganz besonders aber für viele
Fruchtsorten, die ohne Zugabe von Zucker fade schmecken.
Zucker wird auch zur Konservierung eingesetzt, da er in bestimmten
Konzentrationen schimmelhemmend wirkt. Diese Eigenschaft wird genutzt
bei der Herstellung von Marmdaden, Obstmus und kandierten Früchten.
Besondere Bedeutung kommt
dem Zucker für die Erhaltung von Vitamin C zu.
Nicht nur der süße Geschmack ließ die Menschen schon immer Zucker
verbrauchen.
Zucker gehört, wie z.B. auch die Stärke, zu den Kohlehydraten, die
zusammen
mit Eiweiß und Fett die Hauptbestandteile unserer Lebensmittel bilden.
Die
Kohlehydrate liefern uns die notwendige Energie für alle
Bewegungsvorgänge
und zur Aufrechterhaltung unserer Körpertemperatur. Zucker, als reines
und
einfach aufgebautes Kohlenhydrat, wird schnell resorbiert und in
geistige
und körperliche Leistungen umgesetzt. Deswegen greifen Sportler und
Kinder,
die einen höheren Energieverbrauch haben, gern zu Zucker und
zuckerhaltigen
Nahrungsmitteln. Im Vergleich zu den künstlichen Süßstoffen ist Zucker
ein
Süßungsmittel natürlichen Ursprungs. Er ist Genußmittel und Nährstoff
zugleich, dem allerdings Begleitsubstanzen wie Vitamine, Mineral- und
Ballaststoffe fehlen. Daß hier jedes Übermaß schädlich ist, wird
niemand bezweifeln.
Die These, der Zuckerkonsum sei die Ursache für die Zunahme von
Zivilisationskrankheiten in den hochindustrialisierten Ländern, ist
wissenschaftlich längst widerlegt.
So kamen auch die Wissenschaftler der strengen amerikanischen
Gesundheitsbehörde
Food and Drug Administration (FDA) vor kurzem wieder zu dem Schluß, daß
Zucker
ein sicheres Lebensmittel ist. Ein normaler Zuckerverbrauch, wie er in
dem
meisten Familien üblich ist, führt nicht zu Gesundheitsschäden, wenn
die
Ernährung insgesamt voliwertig und ausgewogen ist.
Rohrzucker und Rübenzucker
Zucker wird aus Zuckerrüben öder aus dem Zuckerrohr gewonnen.
Ein chemicher Unterschied besteht zwischen weißem Rüben- und Rohrzucker
nicht. Das Zuckerrohr wächst in tropischen Gebieten, die Zuckerrübe in
allen
Ländern mit gemäßigtem Klima. Sie wird überwiegend in Europa, aber auch
in Amerika und anderen überseeischen Gebieten angebaut. Heute stammt
etwa
ein Drittel der Weltzuckerproduktionen von fast 115 Millionen Tonnen
aus
der Rübe.
Im frühen Altertum erkannte man zuerst im indischen Raum, daß man aus
einer in tropischem Klima wachsenden Pflanze - dem Zuckerrohr - einen
Saft
gewinnen konnte, der zum Süßen von Speisen und Getränken geeignet war.
Etwa
500 n. Chr. gelangte das Zuckerrohr nach Persien, wo erstmalig durch
Reinigung
und wiederholtes Umkochen ein weißer, gereinigter Zucker hergestellt
wurde.
Von Kleinasien her kam Zucker dann nach Deutschland, wo er
jahrhundertelang als Luxus galt und auch als Arzneimittel gebraucht
wurde. Im Laufe der Zeit wurde durch vermehrte Anpflanzung von
Zuckerrohr, vor allem in den neuentdeckten Gebieten der Karibik und
Mittelamerikas, der daraus gewonnene Rohrzucker
billiger u~d konnte nun auch von einem größeren Verbraucher kreis als
Genuß-
und Nahrungsmittel aufgenommen werden. Zahlreiche Ideinere
Zuckerraffinerien
verarbeiteten in Deutschland, besonders auch in der Stadt Köln, diesen
Rohrzucker,
den sie über holländische und deutsche Häfen einführten.
1747 fand Andreas Sigismund Marggra{ daß in der Runkeirübe chemisch der
gleiche Zucker enthalten war, den man aus dem Zuckerrohr kannte. 50
Jahre später baute sein Schüler Franz Carl Achard, die erste
Rübenzuckerfabrik
in Kunern/Schlesien. Durch die von Napoleon 1. verhängte
"Kontinentalsperre" wurde die Herstellung von Rübenzucker besonders
begünstigt, erlitt dann
aber starke Rückschläge. Erst in der zweiten Hälfte des vorigen
Jahrhunderts
ist die Zuckergwinnung aus der Zuckerrübe in Europa in größerem Ausmaß
eingführt
worden und hat seitdem dank der vielseitigen Vorzüge des
Zuckerübenanbaus
für die Landwirtschaft eine unaufhaltsame rasche Ausweitung erfahren.
Die Zuckergewinnung aus der Zuckerrübe
Die in der Fabrik angelieferten Rüben werden zunächst gereinigt,
geschnitzelt und anschließend in heißem Wasser auf 700C erhitzt. Ziel
dieser
Erwärmung ist es, die Zellwände durchlässig zu machen, um den Rüben im
sogenannten Extraktionsturm den natürlich vorhandenen Zucker zu
entziehen.
Das Ergebnis des Fxtraktionsprozesses ist ein Saft mit etwa 14 Prozent
Zuckergerhalt,
der sogenannte Rohsaft. Die entzuckerten Rübenschnitzel werden gepreßt
oder
getrocknet als Viehfutter in der Landwirtschaft eingesetzt.
Der Rolisaft wird in der nächsten Stufe von Nichtzuckerstoffen befreit.
Durch den Zusatz natürlicher Mittel entsteht der Ware, hellgelbe
Dünnsaft.
Dem Dünnsaft wird durch Verdampfen in mehreren Stufen Wasser entzogen.
Es
entsteht ein goldbrauner Dicksaft mit 70 bis 75 Prozent Zuckergehalt.
Weiteres
Kochen entzieht dem Dicksaft weiteres Wasser, und wenn ein bestimmtes
Verhältnis
von Wasser zu Zucker erreicht ist, bilden sich schlagartig unzählige
kleine
Zuckerkristaile und ein Sirup.
Zentrifugen trennen anschließend die Zuckerkristalle vom Sirup, wobei
der im abgeschleuderten Sirup noch enthaltene Zucker in zwei weiteren
Stufen
auskristallisiert wird. Den zuletzt ahaufenden Sirup nennt man Melasse.
Sie
dient als Rohstoff für die pharmazeutische und die
bebensmittelindustrie
oder wird, mit Rübenschnitzel vermischt, als Futtermittel verwendet.
Um die in Haushalten gebräuchlichen Raffinaden bester Qualität zu
erzeugen,
wird bereits kristallisierter Zucker noch einmal aufgelöst, weiter
gereinigt
und flitriert. Aus diesen klaren, hellen Zucke rlösungen von hoher
Reinheit
gewinnt man über erneute Kristallisation hochwertige Raffinaden
verschiedener
Körnungen, gemahlene Raffinaden bis zum feinsten Puderzucker, besondere
Backzucker, weißen Kandis und Würfelzucker, flüssige Zucker und
Zuckersirupe.
Den Zucker schenkt uns die Natur
Es ist die lebendige Natur, die den Zucker in der Pflanze entstehen
läßt. Jede grüne Pflanze ist in der Lage, mit Hilfe des Sonnenlichts,
mit
dem Wasser des Bodens und der Kohlensäure der Luft das Kohlenhydrat
Zucker
zu bilden. Aber es gibt nur wenige Pflanzen, die den Zucker in so
großen
Mengen speichern, daß sich die Gewinnung daraus lohnt. Dazu gehören
Zuckerrübe
und Zuckerrohr.
Der gereinigte und kristallisierte Zucker ist von Natur aus ,,weiß", d
.h. er ist farblos, nur die Lichtbrechung an den Kanten und Flächen des
Kristalls
läßt Zucker - ähnlich dem Schnee - weiß erscheinen. Die immer noch
vertretene
irrige Meinung, daß Zucker ,,geblaut", d.h. gefärbt wird, ist also
nicht
zutreffend. Dies ist auch gesetzlich unzulässig.
Als natürliches Genußmittel, wertvolles Konservierungsmittel und als
rascher Energiespender ist Zucker mit seinen vielen positiven
Eigenschaften nicht zu ersetzen.
Quelle: R. Kuster
im Hause Pfeifer & Langen, Köh
Aus: Backbedarfshandel im Wandel der Zeit
Friedhelm Eickelbaum
www.backring.com