Kolumbus und seine Begleiter verschmähten auf ihrer Entdeckungsreise
eine Bohne, die ihnen von den Eingeborenen als Tauschmittel angeboten wurde,
eine Frucht, aus der sie, mit Wasser gekocht, einen kraftspendenden Trank
zubereiteten, den sie mit Pfeffer, Mais und Vanille würzten. Auch wickelten
sie einen aus den Bohnen hergestellten Brei in Blätter ein und stellten so
eine Mahlzeit her, die sich monatelang aufbewahren ließ und die ihnen auf
ihren tagelangen Märschen zur Stärkung diente. Was sie ,,Xocolatl" nannten,
war nichts anderes als eine Vorform unserer heutigen Tafeischokolade. Das
Wort für den Rohstoffe, für die Kakaobohne stammt aus der Aztekensprache
und lautet ,,Cacahuhtl". Erst die Spanier unter Cortez, die nach 1512 Mexico
eroberten, erkannten, daß ihnen mit dieser Frucht ,,braunes Gold" in die
Hände gefallen war, zumal diese Kakaobohne von den Indianern auch als Zahlungsmittel
verwendet wurden. So kostete ein Kaninchen 10, ein Sklave 100 Früchte während
man eine Sklavin schon für 50 erwerben konnte - ausführlicher nachzulesen
in einer interessanten Publikation des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrei
e. V, Bonn ,,Schokolade und Kakao (Über die Natur eines Genusses)".
Kaiser Karl V. dürfte der erste Europäer gewesen sein, der die neue Frucht
kosten konnte. Entscheidenden Anteil an der allmählichen Verbreitung von
Kaffee, Tee und Kakao im alten Kontinent hatte der Rohrzucker, den die Kolonialherren
auf den Westindischen Inseln in großen Mengen anbauen ließen.
Seitdem ein findiger Höfling auf die Idee gekommen war, dem Kakaotrunk
Zucker beizumischen, mochten ihn die spanischen Granden, die vornehmen Damen
und Herren besonders gern. Spanien war bestrebt, das Handelsmonopol für sich
zu behalten. Deshalb war der Verkauf an Drittländer streng verboten. Etwa
hundert Jahre konnte das Ausfuhrverbot durchgehalten werden. Es waren spanische
Juden, die, von der Inquisition verfolgt und vertrieben, das Geheimnis der
Schokoladenherstellung über die Pyrenäen nach Frankreich brachten. Gleichzeitig
trieben spanische Seeleute mit geschmuggelten Kakaobohnen in italienischen
und französischen Hafenstädten einen schwungvollen Handel. In Italien entstanden
auch die ersten öffentlichen Kakaostuben. Erst 1765 wurde im niedersächsischen
Steinhude die erste Schokoladenfabrik Deutschlands eröffnet, allerdings
im heutigen Sinne nicht mehr als ein Handwerksbetrieb. Ein Kuriosum am Rande:
In der römischen Kirche wurde allen Ernstes erörtert, ob der Verzehr von
Schokolade mit dem Fastengebot vereinbar sei.
Mehr als alle gelehrten Traktate von Ärzten, Philosophen und Theologen
machte freilich der Umstand die Schokolade populär, daß sie hoffähig wurde
Die Frau Ludwig XIV., eine gebürtige Spanierin, mußte sich ihre Schokolade
heimlich zubereiten lassen. Nachdem das Getränk aber akzeptiert worden war,
auch von ihrem Ehemann, der allen großen und kleinen Potentaten als Vorbild
diente, wurde die Schokolade zum Modegetränk der vornehmen Welt. So konnte
schließlich den Siegeszug dieser neuen Leckerei, der vom Hof in Versailles
ausging, niemand mehr aufhalten, nicht einmal Friedrich der Große, der sich
gegen das exotische Erzeugnis wehrte. Der Versuch des Chemikers Andreas Sigismund
Marggraf, aus Lindenblüten ein Surrogat zu entwickeln, erwies sich - wie
auch ähnliche andere Anstrengungen - als Fehlschlag. Immerhin ging Marggraf
als Entdecker des Rübenzuckers in die Geschichte ein. Schon 1717 hatte der
Breslauer Gottfried Kühne auf eine besondere Nebenwirkung der Trinkschokolade
hingewiesen: ,,Es stärcket nemlich der Caco den Magen, macht die lebensgeister
hurtig, verdünnt die Säfte und Geblüth, hilft Zur Venuslust, stärcket Haupt,
lindert die Schmerzen und ist sein lob sowohl zur Nahrung wie als Medicament
nicht genug fast zu beschreiben."
Köstlich wie die Praline schmeckt, liest sich in dem erwähnten Buch
,,Schokolade und Kakao" die Anekdote ihrer Erfindung imjahre 1663. Nach Regensburg,
bis 1808 Sitz des ,,Immerwährenden Reichstags", hatte Ludwig XIV. den Herzog
Choiseul aus dem Geschlecht der Grafen Du Plessig-Praslin als Beobachter
entsandt. Dessen deutscher Koch, den der Handelsherr Fugger dem Herzog stellte,
kam auf die Idee, das übliche Reichstagsconfect, das Lakaien während der
Sitzungen herumzureichen pflegten, zu verfeiern. Dazu versah er die Kreation
aus Mandeln, Datteln und Marzipan mit einem Überzug aus Schokolade. In Deutschland,
nannte man diese Delikatesse nach dem Familiennamen des Gesandten. In Frankreich
heißt dieses Raffinement aus Schokolade schlicht ,,chocolat". Dem Erfindungsreichtum
für Kannen und Tassen, in denen die Schokolade, dieses hochgeschätzte Getränk,
serviert werden sollte, waren keine Grenzen gesetzt. Schon früh bürgerten
sich die noch heute üblichen Geschirrformen ein: niedrige kugelförmige
Kannen für Tee, birnenförmige für Kaffee und ovale oder zylindrische Gefäße
für Kakaolieferungen weitgehend abgeschnitten hatte, begünstigte den Aufbau
einer heimischen Rübenzuckerindustrie und förderte den Konsum von Schokolade.
Mit der Aufnahme der industriellen Fertigung wurde sie immer billiger. Heute
ist sie für alle Schichten der Bevölkerung zu erschwinglichen Preisen zu
haben; sie wurde zum Volksnahrungsmittel. Verarbeitet werden in der Bundesrepublik
pro Jahr 250000 Tonnen Rohkakao. Hauptlieferant ist die Elfenbeinküste,
lange Zeit mit Abstand die Spitze haltend, heute dicht gefolgt von Malaysia,
und auch Nigeria. Cafös bieten in unseren Tagen Kakao mit der gleichen Selbstverständlichkeit
an wie Kaffee oder Tee.
Für den Konditor ist Schokolade ein Rohstoff von besonderem Reiz, insbesondere
wegen der Vielseitigkeit seiner Verwendung. Die Palette des Angebots reicht
von Pralinen, Pasteten bis zu Katzenzungen. Schokolade kann kornbiniert
werden mit einheimischen Früchten wie Nüssen, exotischen wie Mandeln oder
auch mit Marzipan oder Persipan. Beliebt sind auch Füllungen alkoholischer
Art. Dieser für den Konditor wichtige Rohstoff wird insbesondere zur Herstellung
von Torten genutzt. Weihnachten oder Ostern ohne Weihnachtsmänner oder Osterhasen
aus Schokolade sind seit langem nicht vorstellbar.