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Milch: Herstellung – Weiterverarbeitung - Inhaltsstoffe

Die Milchgewinnung hat in den letzten Jahren in Europa an Bedeutung zugenommen. Überproduktionen machen den Märkten zu schaffen. Der reine Milchbauer hat es schwer, weil die Milchpreise sinken und Subventionen nur nach gewissen Richtlinien bezahlt werden.

Milch ist nicht gleich Milch

Wer gesunde Milch trinken möchte, muss sich vom Gedanken verabschieden, dass Milch gleich Milch ist. Durch den großen Verbrauch wurde die Milchproduktion erhöht. Die Kühe werden direkt nach der Geburt eines Kalbes so schnell wie möglich wieder geschwängert, um den Milchfluss nicht abreißen zu lassen. Außerdem hat sich die Milchwirtschaft weiteres einfallen lassen, um die große Nachfrage abzudecken: intensive Stallhaltung, vollautomatische Melkmaschinen, importiertes Kraftfutter, Masthilfsmittel, Antibiotika gegen drohende Infektionen sowie viel Chemie zur Verbesserung der Stallhygiene. Die gesunde Alternative kann daher nur lauten: Weniger Milch, dafür aus ökologischem Anbau. Wenn der hofeigene Futteranbau die Kühe ausreichend mit Nahrung versorgen kann, sind Kraftfutter und Zusatzstoffe nicht mehr nötig.

Tierhaltung

Wissenschaftlich wurde erwiesen, dass die Milch von Freiland-Kühen deutlich gesünder ist, als die von Stallkühen. Daher ist es wünschenswert, die Tiere auf der grünen Weide zu halten. Im Winter sollten die Tiere in großen, luftigen Ställen stehen, selbstverständlich ohne Spaltböden und drängende Enge in den Boxen. Diese Maßnahmen machen sich nachhaltig bemerkbar und der aufgeklärte Verbraucher wird es den Bauern und nicht zuletzt den Verkäufern danken.

Milch-Herstellung

Die morgendliche Prozedur des Melkens hat nichts mit der romantischen Vorstellung des Melkers auf einem Schemel zu tun. Längst haben Melkmaschinen diese Arbeit übernommen. Morgens und abends werden die Euter an die Schläuche angeschlossen, die dann das sahnige Weiß in Behälter pumpen, wo es gekühlt auf den Abtransport in die Molkerei wartet. Dort wird die Milch einer weiteren Prüfung unterzogen, bevor sie durch verschiedene Verarbeitungsmethoden zur so genannten standardisierten Konsummilch und anderen Milchprodukten wie Butter, Käse oder Joghurt weiter verarbeitet wird.

Die Rohmilch hat einen Fettgehalt von vier Prozent, welcher nun in der Molkerei in einer Zentrifuge (Separator) von der Milch gelöst wird. Wenn die geschleuderte Flüssigkeit in das Auffangbehältnis läuft, haben sich die Fetttropfen (der Rahm) gelöst. Übrig bleibt eine Magermilch mit minimalem Fettgehalt. Um einen exakten Fettgehalt herzustellen, der es ermöglicht, Milch mit verschiedenen Fettstufen zu verkaufen, wird in den Molkerein der entfetteten Milch wieder Rahm zugefügt.

Die verschiedenen Milchsorten

Rohmilch

Die völlig unbehandelte Kuhmilch wird als Rohmilch bezeichnet. Der Fettgehalt schwankt zwischen 3,5 % und 4 %, die Unterschiede liegen in der Kuhrasse, dem Futter und den Jahreszeiten begründet. Rohmilch kann man direkt beim Erzeugerhof kaufen. Sie ist jedoch nur gekühlt und sollte vor dem Verzehr abgekocht werden.

Vorzugsmilch

Bei dieser Sorte handelt es sich Rohmilch, die allerdings verpackt und manchmal auch gefiltert ist. Ihr Milchfettgehalt liegt durchschnittlich zwischen 3,5 % und 4 %. Die Abweichungen können wie bei der Rohmilch an der Rasse, dem Futter und den Jahreszeiten liegen. Diese Rohmilchart ist nur kurzfristig haltbar und sollte binnen 24 Stunden an den Verbraucher verkauft werden. Empfehlenswert ist es, die Milch vor dem Verzehr zu erhitzen. Im Kühlschrank ist die verschlossene Milch bis zu sechs Tagen haltbar.

Vollmilch

Dies ist die wichtigste standardisierte Milch. Sie besitzt einen konstanten Fettgehalt von
3,5 %. Eine Ausnahme bildet die Vollmilch mit natürlichem Fettgehalt, denn sie wird nicht im Separator behandelt, sondern behält ihren natürlichen Milchfettgehalt von mindestens 3,5 % bis 4 %.

Fettarme (teilentrahmte) Milch

Hierbei handelt es sich um eine Sorte, die nach der Trennung von Rahm und Magermilch mit einem geringen Anteil an Rahm versetzt wird. Ihr Fettgehalt wird auf 1,5 % bis 1,8 % eingestellt. Besondere fettarme Milchsorten werden mit Milcheiweiß angereichert. Dies muss jedoch auf der Verpackung vermerkt sein.

Entrahmte (Mager-) Milch

Der maximale Fettgehalt darf bei 0,3 % liegen.

Sahne

Ursprünglich war die Sahne der Rahm der unbehandelten Rohmilch. Heute wird die Sahne in der Molkerei durch die Behandlung der Rohmilch – Trennung von Rahm und Magermilch – hergestellt. Der entstandene Rahm wird weiterbehandelt, die verschiedenen Fettstufen werden durch Beigabe von entrahmter Milch festgelegt. Außerdem wird die Sahne durch Erhitzungsmethoden haltbar gemacht.

Die Fettstufen der Sahne werden nach vier Produkten definiert:

    * Sahne mit 25 % bis 29 % Fettgehalt


    * Schlagsahne mit 30 % bis 33 % Fettgehalt


    * Schlagsahne extra mit 36 % Fettgehalt


    * Kaffeesahne mit 10 % bis 15 % Fettgehalt

Die verschiedenen Verfahren, um Milch haltbar zu machen

Pasteurisieren

Dies ist das Erhitzungsverfahren, um Milch haltbar zu machen. Kurzfristig wird die Flüssigkeit auf 62 °C bis 74 °C erhitzt, jedoch nur so lange, bis schädliche Keime und Bakterien abgetötet sind. Sofort nach der Erhitzung wird die Milch auf 4 °C bis 6 °C heruntergekühlt. Diese Behandlung hat den Nachteil, dass auch Vitamine und Geschmacksstoffe zum Teil verloren gehen. Bis heute ist dies jedoch der beste Weg, Milch haltbar zu machen und dabei gleichzeitig einige Vitamine und Geschmackstoffe zu erhalten. Der Namensgeber für dieses Verfahren ist der Franzose Louis Pasteur.

Homogenisieren

Mit diesem Verfahren wird die Milch ebenfalls haltbar gemacht, allerdings immer in Kombination mit Pasteurisierung, Sterilisierung oder Ultrahocherhitzen. Das Homogenisieren hat nichts mit Erhitzung zu tun und reicht als alleinige Behandlung nicht aus. Die Flüssigkeit wird mit hohem Druck durch eine sehr feine Düse gedrückt. Fett und Wasser, die Bestandteile der Milch, werden dadurch gleichmäßig vermischt.

In der Ursprungsform sind die Fettkügelchen der Milch unterschiedlich groß; durch die Düsenpressung werden die Kugeln einheitlich zu kleineren Kügelchen zerstäubt und können sich danach gleichmäßig (homogen) in der Milch verteilen. In der Flüssigkeit entsteht eine geschmeidige Emulsion, in der sich der Rahm nicht mehr an der Oberfläche absetzen kann. Der Geschmack der Milch wird dadurch vollmundiger und die Verträglichkeit verbessert sich deutlich.

Ultrahocherhitzen

Wie der Name vermuten lässt, wird die Milch stark erhitzt – auf 135 °C bis 150 °C – und danach direkt auf 4 °C bis 5 °C heruntergekühlt. Bei diesem Vorgang sterben alle lebenden Keime ab, aber auch die Vitamine und Geschmackstoffe werden zu einem weit größeren Teil zerstört als beim Pasteurisieren. Dennoch ist diese Methode sinnvoll: Wenn man beispielsweise Vorzugsmilch abkocht, werden mehr Inhaltsstoffe vernichtet als beim Ultrahocherhitzen. Die abgekühlte Milch wird homogenisiert und in sterile, lichtgeschützte Verpackungen abgefüllt. Aus dem Handel ist dem Verbraucher diese Sorte als H-Milch bekannt; sie ist ungeöffnet bis zu sechs Wochen ungekühlt haltbar.

Sterilisieren

Milch wird hierdurch zur Konserve und bis zu einem Jahr haltbar gemacht. Bei der 20-minütigen Erhitzung werden alle Bakterien und Keime zerstört. Vitamine und Geschmack werden dadurch stark beeinträchtigt. Vor allem wird die hohe Wertigkeit der Milcheiweiße herabgesetzt.

Kondensieren

Die Milch wird in Vakuumbehälter gefüllt. Dort wird ihr Wasser entzogen, dabei wird sie auch sterilisiert. Die Flüssigkeit ist nun eingedickt und hat einen hohen Anteil an Milchtrockenmasse und daher einen hohen Nährwert. Die so entstandene Kondensmilch wird durch Zugabe von Rahm in verschiedenen Konzentrationen im Handel angeboten. Wird der Milch durch das Kondensieren vollständig das Wasser entzogen, entsteht Milchpulver.

Was steckt drin in der Milch?

Milch besteht zu ca. 87,5 °C aus Wasser. Die festen Nährstoffe schwimmen fein verteilt in der Milch. Sie werden auch Milchtrockenmasse genannt und bewirken, dass aus Milch Sahne, Butter oder Joghurt hergestellt werden kann.

Bestandteile

Milchzucker

Wird auch Laktose oder Schleimzucker genannt. Der Anteil in einem Liter Milch beträgt 47 Gramm. Laktose hat genau so viele Kalorien wie raffinierter Zucker. Milchzucker kommt in Milch wie Mutter-, Kuh-, Ziegen- oder Schafsmilch vor, außerdem in Milchprodukten und in geringeren Mengen in Hartkäse. Bei der Sauermilcherzeugung spielt Milchzucker eine Schlüsselrolle, ohne ihn könnten Joghurt oder Kefir nicht hergestellt werden.

Milchfett

In Vollmilch mit 3,5 °C Fett sind beispielsweise 35 Gramm Milchfett enthalten. Dieses Milchfett ist reich an fettlöslichen Vitaminen (Vitamin A, Vitamin D, Vitamin E und Vitamin K).

Milcheiweiß, Kasein, Caseinogen

Milcheiweiß ist reich an essenziellen Aminosäuren, welche der menschliche Körper nicht selbst herstellen kann, aber benötigt. Sie lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen:

    * Leucin, Isoleucin, Serin, Tyrosin und Lysin sind geschmacksneutral

    * Prolin und Oxyprolin schmecken süß

    * Threonin, Methionin und Phenylalanin sind süßlich bitter

    * Tryptophan, Arginin, Histidin und Valin haben einen bitteren Geschmack

    * Asparaginsäure schmeckt sauerbitter

    * Glutaminsäure ist sauer

    * Cystin schmeckt schwefelhaltig

Um den Tagesbedarf an notwenigen Aminosäuren zu decken, sollte man beispielsweise einen Liter Milch trinken oder die Ernährung mit anderen Milchprodukten erweitern.

Vitamine

Im Milchfett sind fettlösliche Vitamine enthalten. Grundsätzlich stärken Vitamine den Organismus und können als Radikalenfänger das Immunsystem unterstützen. Die Abwehrkräfte werden durch die Aufnahme von vitaminhaltiger Kost gestärkt.

Mineralstoffe

In Milch sind Kalzium, Kalium und Phosphor enthalten. Kalzium hat neben seiner Funktion bei der Regulation des Stoffwechsels eine zweite wichtige Bedeutung beim Aufbau von Knochen und Zähnen. Besonderes reich an Kalzium sind Milch und Milchprodukte, darunter besonders Hartkäse. Kalium ist das Hauptelement innerhalb der Zellen unseres Körpers und spielt hier unter anderem eine wichtige Rolle für der Erregbarkeit der Zellen. Kaliummangel zeigt sich besonders in Form von Muskelschwäche. Phosphor hat wie Kalzium eine wichtige Funktion bei der Knochenbildung. Allerdings kann es nur sehr selten zu einem Phosphormangel kommen, da es in allen proteinreichen Lebensmitteln wie Milch und Milchprodukten, Fleisch und Fisch reichlich enthalten ist.