Kandierte Früchte - mehr als nur unerlässliche Zutat für Stollen:
Obst ist ein gesundes und schmackhaftes
Nahrungsmittel, das
in den verschiedensten Angebotsformen und Kompositionen verzehrt werden
kann:
frisch, in Eis oder Joghurt verarbeitet, in Form von Marmelade oder
kandiert.
Kandierte Früchte - die teils zu den Obstdauerwaren und teils
zu den Zuckerwaren zählen - werden aus sorgfältig ausgewähltem und
einwandfreiem
Qualitätsobst hergestellt, wobei nicht nur Früchte, sondern auch andere
Pflanzenteile wie Blüten oder Stengel verwendet werden können. Die
Früchte
oder Pflanzenteile werden mit größter Sorgfalt in frischem oder
vorübergehend
haltbar gemachtem Zustand (z. B. durch Kälte, Wasserentzug,
Pasteurisation,
Salzen, Schwefeln etc.) verarbeitet. Die erste Stufe umfaßt das
gründliche
Waschen des Obstes. Je nach Art wird es zudem entstielt, entsteint
und/oder
geschält, häufig auch blanchiert. Größere Früchte werden von Hand oder
maschinell "gestichelt", um den späteren Austausch des Zellwassers
durch
eine Zuckerlösung zu erleichtern. Anschließend werden sie im ganzen
oder
gewürfelt langsam mit traditionellen Handwerksmethoden kandiert.
Der Prozess des Kandierens
"Kandieren" ist ein simpler Vorgang, bei dem das Zellwasser der Frucht
durch Sirupe von Zuckerarten weitgehend ersetzt wird. Die Kandierung
von Früchten basiert also auf einem osmotischen Vorgang, bei dem das in
der Frucht enthaltene Wasser austritt und den Platz für eine
Zuckerlösung freigibt. Der eigentliche Kandiervorgang beginnt meist mit
einem das spätere Auskristallisieren verhindernden
Zucker-Glukosesirup-Gemisch mit zunächst niedriger Konzentration. Diese
wird später erhöht. Dies geschieht so lange,
bis im Fruchtinneren ein Gehalt von 75-78% an lösbaren Feststoffen bzw.
eine die Haltbarkeit gewährleistende Zuckerkonzentration von 75 ° Bx
erreicht
ist. Die lösbaren Feststoffe bestehen aus Zucker, in den meisten Fällen
handelt
es sich um Saccharose und Glukose. Der osmotische Vorgang erfolgt also
durch
den spezifischen Gewichtsunterschied zwischen dem in der Frucht
enthaltenem
Wasser (ca. 85 bis 90%) und der Zuckerlösung mit einem spezifisch
höherem
Gewicht. Es gibt verschiedene Anlagen um diesen Prozeß durchzuführen.
Dabei
muß allerdings darauf geachtet werden, daß die Verfahrenstemperatur 65
°C
keinesfalls überschreitet, damit eine Zuckerverbrennung vermieden wird.
Die Temperatur darf allerdings auch nicht unter 48 °C fallen, um
eventuelle
Fermentierungs-Erscheinungen zu vermeiden. Die Kandierungszeiten sind
relativ
lang und liegen je nach Fruchtart und Größe der Früchte zwischen 8 bis
12
Tagen (z. B. Birnen 10 bis 12 Tage). In modernen Anlagen, in denen das
Vakuum
ausgenutzt wird, können diese Zeiten reduziert werden, jedoch müssen
angemessene
Wartezeiten zur Fruchtstabilisierung berücksichtigt werden.
Kandierte Fruchtschalen
Kandierte Fruchtschalen -- auch als Citronat und Orangeat bezeichnet
-- stammen durchweg von Orangen und Zitronen. Die größte Menge der
Schalen
kommt aus Sizilien und Kalabrien - dem Süden Italiens. Normalerweise
wird
die Schale von den Kandier-Firmen schon gewürfelt gekauft. Ein Großteil
der kandierten Früchte besteht aus Cedrolimonen (Cedro) -- auch
Zitronat
oder Sukkade genannt. Diese Frucht wird vollständig verbraucht, sowohl
die
Schale als auch das Fruchtfleisch. Die Limonen werden in Hälften oder
in
Würfeln kandiert. Sie kommen hauptsächlich aus Zentralamerika oder den
Mittelmeerländern. Die Kanditen werden gewürfelt in den Größen 3 x 3 mm
oder 6 x 6 mm in Gebindegrößen von 5 oder 12,5 kg angeboten.
Kirschen für Konditoren
Die wahrscheinlich bekanntesten kandierten Früchte neben Citronat
und Orangeat sind Kirschen. Sie gehören zu den Belegfrüchten, von denen
die Dickzuckerlösung abgelaufen bzw. abgetropft ist. Belegfrüchte
werden
zum Belegen, Garnieren und Füllen von Torten, Gebäcken, Dessertspeisen
usw.
insbesondere in der Süßwaren-, Dauerbackwaren- und Eiskremindustrie
verwendet.
Die natürliche Färbung der Belegkirschen geht während der
vorübergehenden Haltbarmachung verloren. Hergestellt werden sie in den
Farben
gelb (ungefärbt) sowie grün und rot (mit zugesetztem Farbstoff). Als
Variante
gibt es dunklere rote Belegkirschen, die mit kenntlichmachungsfreiem
Naturfarbstoff
gefärbt sind. Sie finden sowohl in der Konditorei als auch bei der
Produktion
von Kuchen Verwendung.
Vielfältiges Fruchtangebot
Neben Kirschen sowie Zitronen- und Orangenschalen werden eine ganze
Reihe weiterer beliebter Früchte auch kandiert angeboten. Dazu gehören
Aprikosen, Feigen, Birnen, Klementinen, Pfirsiche und Ananasscheiben.
Es
sind jedoch auch Melonenscheiben, Kürbisse und weiße Rüben in dieser
Form
erhältlich. Kastanien und Maronen - beides exquisite Früchte - stellen
auch
kandiert eine auserlesene Köstlichkeit dar - dann als "Marron Glace"
bezeichnet.
Diese entstehen aus sorgsam ausgewählten Kastanien, die mit Dampf
geschält
und von Hand bearbeitet werden, damit die Früchte Geschmack und Duft
behalten.
Kandierte Früchte müssen kühl und vor allem trocken gelagert
werden. Dann sind sie ca. eineinhalb Jahre haltbar.
Quelle: Den ausführlichen Bericht zum Thema Früchte können Sie
im Heft 10/97 des BÃKO-Magazins nachlesen
www.baeko-magazin.de